Ein Jahr nach der Behandlung war die Stachelzellschicht der Oberhaut um 40 Prozent dicker. Diesen Befund beschrieb eine Arbeitsgruppe aus Deutschland und Südafrika 2008 in Gewebeproben von 20 Behandelten. Insgesamt hatte sie die Verläufe von 480 Personen ausgewertet, die mit feinen Nadeln behandelt worden waren.
Die Methode dahinter heißt heute Microneedling. Sie gehört zu den gefragtesten Verfahren der ästhetischen Praxis, und doch wird die Frage „Was ist Microneedling eigentlich?“ oft ungenau beantwortet. Dieser Beitrag ordnet Wirkprinzip, Geräte, Nadeltiefe, Behandlungsintervalle, Nebenwirkungen und Rechtsrahmen ein. Er richtet sich an Fachpersonal in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und den Niederlanden.
Microneedling ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem feine Nadeln zahlreiche kontrollierte Mikroverletzungen in der Haut setzen und so die körpereigene Wundheilung mit Kollagenneubildung anstoßen. Die Oberhaut bleibt dabei weitgehend intakt. In der Fachliteratur heißt das Verfahren auch Kollageninduktionstherapie.
Was ist Microneedling? Das Prinzip der kontrollierten Mikroverletzung
Ablative Verfahren wie der klassische Laser tragen die Oberhaut flächig ab. Microneedling geht einen anderen Weg. Die Nadeln durchstechen die Haut punktuell, das Gewebe zwischen den Einstichen bleibt erhalten. Dadurch heilt die Haut schneller, und das Verfahren lässt sich wiederholen.
Jeder Einstich löst eine kleine Wundheilungskaskade aus. Blutplättchen setzen Wachstumsfaktoren frei, Fibroblasten wandern ein und bilden neues Kollagen. Zunächst entsteht das unreifere Kollagen Typ III, das über Monate zu festerem Kollagen Typ I umgebaut wird. Was in den Tagen und Wochen nach der Sitzung in der Haut geschieht, beschreibt der Beitrag zum Microneedling Heilungsprozess ausführlich.
Eine Übersichtsarbeit in Dermatologic Surgery fasst das Prinzip zusammen. Als wahrscheinliche Ursache der Ergebnisse gelten die kontrollierte Verletzung der Dermis und die angestoßene Wundheilung. Der zweite Effekt ist die Öffnung von Mikrokanälen, über die Wirkstoffe die Hornschicht passieren können.
Roller, Stempel oder Pen: die Geräte im Vergleich
Am Anfang stand der Dermaroller, eine Walze mit Hunderten feiner Nadeln. Er ist einfach in der Handhabung, die Nadeln treten jedoch schräg ein und aus. Das erschwert eine gleichmäßige Eindringtiefe, besonders an Konturen.
Stempel arbeiten mit senkrechten Einstichen auf kleiner Fläche. Elektrische Pens haben sich in der Praxis weitgehend durchgesetzt. Ein Motor bewegt eine Nadelkartusche mit hoher Frequenz senkrecht auf und ab, die Tiefe wird am Gerät eingestellt. Das macht die Behandlung reproduzierbar und erlaubt die Anpassung an unterschiedliche Areale.
Eine eigene Kategorie ist das Radiofrequenz Microneedling. Hier geben isolierte Nadeln in der Tiefe zusätzlich Wärme ab. Solche Geräte fallen unter die NiSV und setzen entsprechende Fachkunde voraus, wie der Ratgeber NiSV in der Praxis erläutert. Klassisches Microneedling ohne Energiequelle ist davon nicht erfasst.
Nadeltiefe und Einsatzgebiete
Die Nadeltiefe ist die wichtigste Stellgröße. Moderne Pens erlauben Einstellungen von etwa 0,1 bis 2 Millimetern. Oberflächliche Tiefen dienen vor allem der Hautauffrischung und der Wirkstoffaufnahme. Tiefere Einstellungen werden bei Narben eingesetzt und gehören in ärztliche oder heilpraktische Hände.
Die Haut ist nicht überall gleich dick. Stirn und Augenpartie verlangen andere Einstellungen als Wangen oder Narbenareale. Konkrete Tiefen je Areal und Indikation vermittelt MAP im Rahmen der Schulung, nicht in einem öffentlichen Beitrag.
Die Literatur nennt ein breites Spektrum an Einsatzgebieten. Eine systematische Übersicht im Journal of Plastic, Reconstructive and Aesthetic Surgery fand Studien zu Aknenarben, Hautverjüngung, hypertrophen Narben, Dehnungsstreifen, Haarausfall und Melasma. Am stärksten belegt sind die Ergebnisse bei Narben und Fältchen.
Microneedling Gesicht: das häufigste Behandlungsareal

Beim Microneedling Gesicht stehen feine Linien, großporige Haut, ein unruhiges Hautbild und Aknenarben im Vordergrund. Eine Studie begleitete 37 Behandelte mit atrophen Gesichtsnarben. Von den 36 Personen, die die Serie abschlossen, verbesserten sich 34 um ein bis zwei Schweregrade. Bedeutende Nebenwirkungen traten nicht auf.
Passende Präparate sind im Shop nach Anwendung sortiert, etwa für Akne und Narben oder für Anti Aging und erschlafftes Gewebe.
Ablauf einer Microneedling Behandlung

Am Anfang stehen Hautanalyse, Anamnese und die Klärung der Erwartungen. Danach wird die Haut gründlich gereinigt und desinfiziert. Bei empfindlicher Haut kommt je nach Tiefe eine örtliche Betäubung infrage, die ärztlich verordnet oder angewendet wird.
Behandelt wird in Abschnitten, Areal für Areal, mit an Hautdicke und Ziel angepasster Tiefe. Ein feiner Blutaustritt an den Einstichstellen ist bei tieferen Einstellungen normal. Den Abschluss bilden eine beruhigende, für die Anwendung nach Microneedling vorgesehene Pflege und ein Sonnenschutz.
Die erste Rötung klingt meist innerhalb von ein bis drei Tagen ab. Klare schriftliche Hinweise zur Nachsorge, etwa zu Sonne, Sauna und dekorativer Kosmetik, gehören zu jeder Sitzung. Eine strukturierte Nachsorge entscheidet mit darüber, wie gut die Haut das Angebot zur Erneuerung nutzt.
Wie oft Microneedling? Sitzungen und Abstände

Die Frage „Wie oft Microneedling?“ gehört zu den häufigsten im Beratungsgespräch. Die ehrliche Antwort: Es gibt kein einheitliches Studienprotokoll. In der erwähnten Auswertung von 480 Behandelten hatten die meisten nur eine Sitzung, einige bis zu vier.
Für den Abstand ist die Biologie maßgeblich. Die Kollagenneubildung braucht Wochen, der Umbau zu festem Kollagen Monate. In der Praxis verbreitet sind deshalb Serien von mehreren Sitzungen im Abstand von etwa vier bis sechs Wochen. Je tiefer behandelt wird, desto länger sollte die Pause sein.
Ebenso wichtig ist die Erhaltung. Nach der Serie folgen Auffrischungen in größeren Abständen, oft halbjährlich oder jährlich. So entsteht aus einer Einzelbehandlung ein planbares Konzept über das Jahr. Für jüngere Zielgruppen fügt sich das in präventive Konzepte ein, wie sie der Ratgeber Prejuvenation beschreibt.
Die Antwort auf „Microneedling wie oft?“ hängt also von Ziel, Nadeltiefe und Hautzustand ab. Eine dokumentierte Serie mit Fotos unter gleichen Lichtbedingungen macht den Verlauf für beide Seiten nachvollziehbar.
Wirkstoffe und Microneedling: das offene Fenster
Viele Wirkstoffe sind zu groß, um die Hornschicht bei bloßem Auftragen zu passieren. Fachleute sprechen von der 500 Dalton Grenze, die der Beitrag über bioaktive Peptide erklärt. Die Mikrokanäle öffnen für kurze Zeit ein Fenster, durch das auch größere Moleküle in die Haut gelangen.
Daraus folgt eine klare Regel. In dieses Fenster gehört nur, was für die Anwendung auf der Haut vorgesehen und entsprechend deklariert ist. Bewährt haben sich regenerative Kombinationen, etwa mit Polynukleotiden. Wie dieses Zusammenspiel aufgebaut ist, beschreibt der Beitrag zum kombinierten Regenerationsprotokoll. Die Behandlung selbst ordnet der Beitrag Polynukleotide Behandlung ein.
Auch Eigenblut lässt sich so einbringen. Die Kombination aus PRP und Microneedling gehört zu den gründlich untersuchten, vor allem bei Aknenarben, wie der Beitrag zur PRP Behandlung zeigt. Wer zwischen Microneedling und Injektion abwägt, findet im Beitrag Was ist Mesotherapie? die Abgrenzung.
Nebenwirkungen und Grenzen des Verfahrens
Eine systematische Übersicht im Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology wertete 51 Arbeiten mit zusammen 1.029 Behandelten aus. Ihr Fazit: Microneedling ist unabhängig vom Gerät ein relativ sicheres Verfahren. Typisch sind erwartbare Rötung, Schmerz, Schwellung und vorübergehende Hautreizung.
Seltener sind Infektionen, Unverträglichkeiten gegenüber aufgetragenen Präparaten und anhaltende Pigmentveränderungen. Das Risiko sinkt mit steriler Einmalkartusche, sorgfältiger Hautdesinfektion und dem Verzicht auf ungeeignete Produkte im Behandlungsfenster.
In Fachkreisen gelten mehrere Gründe, die Behandlung zu verschieben oder darauf zu verzichten. Dazu zählen aktive Entzündungen und Infektionen im Areal, eine Neigung zu Keloiden, Gerinnungsstörungen und Schwangerschaft. Maßgeblich sind Anamnese und Herstellerangaben.
Zur Grenze des Verfahrens gehört auch die Erwartung. Microneedling verbessert Hautqualität und Narben schrittweise, es ersetzt weder Volumenaufbau noch chirurgische Straffung.
Wer darf Microneedling durchführen?
In Deutschland hängt die Antwort von der Eindringtiefe ab. Behandlungen, bei denen die Nadeln die Haut nennenswert durchdringen, gelten als invasiv. Sie sind ärztlichem Fachpersonal und Personen mit Heilpraktikererlaubnis vorbehalten.
Wo die Grenze genau liegt, ist nicht einheitlich geregelt. Berliner Gesundheitsämter nennen in ihren Verbraucherinformationen Schwellen von 0,25 beziehungsweise 0,5 Millimetern Nadellänge. Wer tiefer arbeiten möchte, sollte die Auffassung der eigenen Aufsichtsbehörde kennen.
Hinzu kommen Hygienepflichten. Betriebe, in denen Krankheitserreger über Blut übertragen werden können, unterliegen der infektionshygienischen Überwachung nach § 36 Infektionsschutzgesetz. Für die Kommunikation gilt das Heilmittelwerbegesetz (HWG): keine Heilversprechen und keine Vorher Nachher Darstellungen in der Werbung. In Österreich, der Schweiz und Luxemburg gelten eigene Regeln. Dieser Abschnitt ersetzt keine Rechtsberatung.
Microneedling im MAP Sortiment und in der Schulung
Der Raffine Microneedling Pen ist ein elektrischer Pen mit einstellbarer Nadeltiefe und medizinischer CE Kennzeichnung. Zubehör und Nadelaufsätze finden Sie in der Kategorie Microneedling Equipment.
Für den Einstieg bündelt das Starterpaket Microneedling Pen, sterile Nadelaufsätze und abgestimmte Pflegeprodukte. Die praktische Anwendung vermittelt der Workshop Microneedling mit Zertifikat. Weitere Termine stehen im MAP Workshop Programm.
MAP Medical Aesthetic Products mit Sitz in Köln begleitet seit 2012 Praxen im deutschsprachigen Raum. Behandlungsprotokolle mit Tiefen und Kombinationen vermittelt MAP über das eigene Referentennetzwerk, nicht über öffentliche Texte.
Wissenschaftliche Grundlagen
- Aust MC, Fernandes D, Kolokythas P, et al. Percutaneous collagen induction therapy: an alternative treatment for scars, wrinkles, and skin laxity. Plastic and Reconstructive Surgery, 2008;121(4):1421–1429. PubMed-ID: 18349665.
- Alster TS, Graham PM. Microneedling: A Review and Practical Guide. Dermatologic Surgery, 2018;44(3):397–404. PubMed-ID: 28796657.
- Ramaut L, Hoeksema H, Pirayesh A, et al. Microneedling: Where do we stand now? A systematic review of the literature. Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery, 2018;71(1):1–14. PubMed-ID: 28690124.
- Gowda A, Healey B, Ezaldein H, et al. A Systematic Review Examining the Potential Adverse Effects of Microneedling. Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology, 2021;14(1):45–54. PubMed-ID: 33584968.
- Majid I. Microneedling therapy in atrophic facial scars: an objective assessment. Journal of Cutaneous and Aesthetic Surgery, 2009;2(1):26–30. PubMed-ID: 20300368, PMC2840919.
- Rechtsquellen und Behördeninformationen: § 1 Heilpraktikergesetz; § 36 Infektionsschutzgesetz; Heilmittelwerbegesetz (HWG); NiSV; Bezirksämter Neukölln und Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Verbraucherinformationen zu Kosmetikstudios (Stand 2025).
Quellen indirekt referenziert und paraphrasiert. Die genannten Arbeiten dienen der wissenschaftlichen Einordnung und stellen kein Wirk- oder Heilversprechen dar. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung.
Häufig gestellte Fragen zu Microneedling
Was ist Microneedling?
Microneedling ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem feine Nadeln kontrollierte Mikroverletzungen in der Haut setzen. Die angestoßene Wundheilung fördert die Kollagenneubildung, die Oberhaut bleibt weitgehend intakt. Zusätzlich öffnen die Mikrokanäle ein Fenster für geeignete Wirkstoffe.
Wie oft sollte man Microneedling machen?
Ein einheitliches Studienprotokoll gibt es nicht. In der Praxis verbreitet sind Serien von mehreren Sitzungen im Abstand von etwa vier bis sechs Wochen, danach Auffrischungen in größeren Abständen. Je tiefer behandelt wird, desto länger sollte die Pause sein.
Welche Nadeltiefe wird beim Microneedling verwendet?
Elektrische Pens erlauben Einstellungen von etwa 0,1 bis 2 Millimetern. Oberflächliche Tiefen dienen der Hautauffrischung und Wirkstoffaufnahme, tiefere Einstellungen werden bei Narben eingesetzt. Die passende Tiefe richtet sich nach Areal, Hautdicke und Ziel.
Welche Nebenwirkungen hat Microneedling?
Eine systematische Übersicht mit 1.029 Behandelten beschreibt Microneedling als relativ sicheres Verfahren. Typisch sind Rötung, Schmerz, Schwellung und vorübergehende Hautreizung. Seltener sind Infektionen, Unverträglichkeiten und Pigmentveränderungen.
Wer darf Microneedling durchführen?
Invasives Microneedling ist in Deutschland ärztlichem Fachpersonal und Personen mit Heilpraktikererlaubnis vorbehalten. Wo die Grenze zur kosmetischen Anwendung liegt, ist nicht einheitlich geregelt. Berliner Gesundheitsämter nennen Schwellen von 0,25 beziehungsweise 0,5 Millimetern Nadellänge.
Was ist der Unterschied zwischen Microneedling und Radiofrequenz Microneedling?
Beim klassischen Microneedling wirken nur die Nadeln. Beim Radiofrequenz Microneedling geben isolierte Nadeln zusätzlich Wärme in der Tiefe ab. Diese Geräte fallen unter die NiSV und erfordern eine entsprechende Fachkunde.
Fazit: Microneedling wirkt über die eigene Wundheilung der Haut
Microneedling setzt kontrollierte Mikroverletzungen und nutzt die Wundheilung der Haut für neues Kollagen. Die Evidenz ist bei Narben und Fältchen am stärksten, das Sicherheitsprofil gut.
Für die Praxis entscheiden Gerät, Nadeltiefe, Intervall und das, was in die Mikrokanäle gelangt. Wer diese vier Größen beherrscht und ehrlich berät, macht aus einem gefragten Verfahren ein planbares Konzept.
Starten Sie mit dem Raffine Pen, sterilen Nadelaufsätzen und abgestimmter Pflege aus einer Hand.




